Westwärts und nicht vergessen – Vom Unbehagen in der Einheit (Rezensionen)

Schreiben fürs halbe Deutschland. Eine provozierende Botschaft bleibt ungehört, von Herbert Riehl-Heyse, Süddeutsche Zeitung 6.7.1996

Presse-Zitate

Dieses Buch ist ein starkes Stück. Es wird in Ost und West hoffentlich das Aufsehen erregen, das es verdient. Es gibt gewiß pflegeleichtere Beiträge zur inneren Lage der vereinten Nation als dieses Buch, aber kaum bessere oder wichtigere. Gerade weil es so undiplomatisch direkt ist, so demonstrativ persönlich und bewußt unausgewogen, kann man viel daraus lernen.

CDU-Staatssekretär Norbert Lammert, Handelsblatt

 

Soweit ich sehe, hat seit der Wiedervereinigung niemand anderer so scharf und so wenig schüchtern die zwei Staaten verglichen. Daß das gut geht – bei allen Einwänden im Detail -, hat vor allem damit zu tun, daß ihre Streitschrift intelligent gemacht ist. Und daß die Autorin unangreifbar ist. Sie ist offenbar eine von jenen Frauen, die sich nicht so richtig fürchten können, vor nichts und niemandem.

Herbert Riehl-Heyse, Süddeutsche Zeitung
Daniela Dahn schreibt sich nahe an die Anstiftung zum Ungehorsam heran – die rund 200 Seiten lesen sich mindestens so spannend wie ein Krimi.

Michael Hametner, Mitteldeutscher Rundfunk
So wie die Autorin die Themen verordneter Antifaschismus, Marxismus und Utopie, Stalinismus und Kommunismus, Fortschritt und Demokratie, Feminismus und Emanzipation präsentiert, fließt sehr wohl Neues in die gesamtdeutsche Debatte, das seinen Ursprung in den Erfahrungen und Ansprüchen ostdeutscher Sozialisation hat. Wer darauf nur mit Belehrungen reagiert, hat nichts begriffen und nichts gelernt aus den Geburtsfehlern der inneren Einheit.

Margarita Mathiopoulos, Die Zeit
Ein mich faszinierendes Buch, das zum besseren Verständnis beitragen kann, weil hier eine sehr intelligente Frau offen und differenziert über ihre Zeit in der DDR spricht und über die Abwicklung deren Vergangenheit, die strenger gehandhabt wird als die Abwicklung der alten Nazis, mit denen die Bundesrepublik sehr viel milder umgegangen ist.

Ulrich Wickert, Buchtip in Arte
Das Buch ist polemisch, sehr wissend und klug, es registriert mit Vitalität und Humor all die Bereicherungen, Skandale und anderen Ungerechtigkeiten, die die „Umarmung“ der Bundesrepublik mit sich gebracht hat.

Günter Grass, Interview in Politiken
Daniela Dahns Buch schärft das Bewußtsein dafür, daß die Einheit als solche noch kein Glück ist, sondern Voraussetzung dafür, daß im vereinten Land die Mehrheiten die Chancen des gleichen Glücks und die Gefährdungen des gleiches Unglücks haben. Es ist ein Oppositionsbuch im allerbesten Sinn.

Günter Gaus, Rede zur Buchpremiere
Daniela Dahn legt eine Streitschrift vor, die längst fällig war: Sie artikuliert den Standpunkt einer politisch bewußten „Neubundesbürgerin“, die weder nostalgisch lamentiert, noch meint, sich unterwürfig rechtfertigen zu müssen. Ihr ganz persönlicher Erfahrungsbericht aus DDR-Vergangenheit und westlicher Gegenwart zeigt kein Schwarzweißmosaik, sondern Parallelen und Diskrepanzen, die nicht in die Klischees von Diktatur und „Freiheit“ passen. Damit ist Anlaß und Material gegeben für eine politische Auseinandersetzung, die allerdings auf gleicher Ebene geführt werden müßte, von pari zu pari: darin liegt die eigentliche Herausforderung der Autorin an westliche wie östliche Diskussionspartnerinnen.

Susanna Böhme-Kuby, WOZ Zürich
Diese Geschichten seien allen empfohlen, die der stupiden antikommunistischen Schule der Bundesrepublik Erfahrungen aus gelebtem Leben in der DDR entgegensetzen wollen.

Heinrich Senfft, Freitag
Bei der Entlarvung von Schweinereien der Bonner Nomenklatura erleben wir eine Daniela Dahn, die der besten Tradition kritisch-aufklärerischer Prosa alle Ehre macht. Im ganzen ein bewundernswertes und couragiertes Buch.

Heleno Sana, Die Brücke
Eine intelligente, vorzüglich geschriebene und glänzend recherchierte Analyse deutscher Befindlichkeit im Jahre Sechs der Einheit. Wer aus linker westdeutscher Perspektive blickt und sich auch nur ein Quentchen Redlichkeit bewahrt hat, und dem Bonner Treiben so gelähmt wie lustlos zusieht, – der/die kann das Buch nur mit freudiger Zustimmung lesen. Daniela Dahn hat recht, wenn sie hier Fakten gegenüberstellt, um die wir Westler(innen) uns gern herumdrücken. Wenn die östlichen Deutschen die Lust an der Einmischung nicht verlieren, sondern intensivieren, könnte es sein, daß sie den Antworten schon etwas näher gekommen sein könnten als wir Westler die wir unser System so wenig in Frage zu stellen gewohnt sind.

Anke Martiny, Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte